Verabschiedung – Superintendent des Evangelischen Kirchenkreises Berlin Süd-Ost: Auf Wiedersehen, Hans-Georg Furian!

von Ev. Kirchenkreis Berlin Süd-Ost

Verabschiedung – Superintendent des Evangelischen Kirchenkreises Berlin Süd-Ost: Auf Wiedersehen, Hans-Georg Furian! Fotos: ekbso.de

Verabschiedung – Superintendent des Evangelischen Kirchenkreises Berlin Süd-Ost: Auf Wiedersehen, Hans-Georg Furian!

Mit einem Festgottesdienst in der Erlöserkirche in Berlin-Lichtenberg hat der Evangelische Kirchenkreis Berlin Süd-Ost am Sonntag, 18. Oktober 2026, gemeinsam mit Generalsuperintendentin Dr. Julia Helmke Superintendent Hans-Georg Furian verabschiedet.

An dieser Stelle möchten wir Ihnen bereits das große Interview ans Herz legen (siehe unten!), das Hans-Georg Furian der Kirchenzeitung gegeben hat. Die Predigt von Hans-Georg Furian finden Sie hier.

Einen ausführlichen Bericht und eine große Bildergalerie finden Sie in der Woche ab dem 26. Oktober auf unserer Webseite.

Auf Wiedersehen, Hans-Georg Furian!

Auf Wiedersehen, Hans-Georg Furian! Fotos: ekbso.de

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Hans-Georg Furian, Superintendent, Kirchenkreis Berlin Süd-Ost und
Uwe Baumann, Freier Journalist (im Auftrag von „die Kirche“, Evangelische Wochenzeitung für Berlin, Brandenburg und die schlesische Oberlausitz)

 

Wenn Sie auf Ihre Amtszeit zurückblicken: War Ihre Tätigkeit als Superintendent vor allem administrativ oder überwiegend theologisch, geistlich leitend?
Sie war beides. Es macht einen Unterschied, ob man einen Kirchenkreis aus der Perspektive eines Betriebswirts, eines Juristen oder eines Pfarrers leitet. Für mich ist die Arbeit des Superintendenten geistliche Leitung, weil ich immer auch die individuelle Situation der Menschen im Blick haben möchte. Gleichzeitig ist es eine administrative Aufgabe. Wir müssen in der Kirche auf vielen Ebenen darauf achten, dass es gerecht zugeht. Mitarbeitende, Bauangelegenheiten, Vertragsverhältnisse, finanzielle Aspekte. Alles gehört zusammen.

Welche Entwicklungen Ihrer Amtszeit betrachten Sie als gelungen? Und wo sind Sie an Grenzen gestoßen?
Zu den gelungenen Dingen gehört für mich die Sanierung des Verwaltungsgebäudes in der Schottstraße. Als ich hierherkam, waren die Arbeitsbedingungen schwierig. Die Mitarbeitenden saßen über mehrere Etagen verteilt und man wusste oft nicht genau, wer wo zu finden war. Ich bin dankbar dafür, dass der damalige Kreiskirchenrat den finanziellen Spielraum für die Sanierung ermöglicht hat. Heute ist das Haus in einem guten Zustand. Unter anderem hat der Umbau kürzere Wege zwischen Leitung und Verwaltung des Kirchenkreises gebracht.
Nicht gelungen ist mir, bei der Verteilung der finanziellen Mittel mehr Gerechtigkeit durchzusetzen. Ich finde, die Gemeindeglieder sollten unabhängig davon, in welcher Gemeinde sie leben, grundsätzlich vergleichbare Chancen haben, kirchliche Mitarbeitende zu erreichen. Wenn eine Gemeinde pro Mitglied etwa doppelt so viel für Personal ausgeben kann wie eine andere, ist das aus meiner Sicht nicht in Ordnung. Es ist mir nicht gelungen, dafür im Kirchenkreis eine Mehrheit zu gewinnen. Das beschäftigt mich bis heute.

Sie haben viele ehrenamtlich engagierte Menschen erlebt. Was bedeutet deren Engagement?
Die Ehrenamtlichen sind ein großer Schatz. Sie bringen andere Perspektiven ein als Menschen, die hauptberuflich in der Kirche arbeiten. Gleichzeitig werden die Aufgaben immer komplexer. Die Verwaltung ist nicht einfacher geworden, im Gegenteil. Ehrenamtliche müssen sich mit immer umfangreicheren Unterlagen und komplizierten Fragestellungen beschäftigen. Ich frage mich deshalb, ob wirklich jede Entscheidung in einem Gemeindekirchenrat getroffen werden muss oder ob manches besser von Fachleuten vorbereitet und umgesetzt werden sollte, die anschließend kontrolliert und reflektiert werden. Das stellt das ehrenamtliche Engagement nicht infrage. Aber wir müssen darüber nachdenken, wie wir Verantwortung sinnvoll verteilen.

Sie waren auch in Gemeinden in Afrika engagiert. Was haben Sie aus diesen Begegnungen mitgenommen?
Ich war von 1997 bis 2003 in einer deutschsprachigen Gemeinde in Südafrika tätig. Später habe ich die Partnerschaftsarbeit hier im Kirchenkreis übernommen. Die Begegnungen haben mich bereichert, weil ich erleben konnte, wie Kirche unter ganz anderen Bedingungen funktioniert. Mit deutlich weniger Personal und ohne Kirchensteuer. Solche Partnerschaften leben allerdings davon, dass man persönliche Kontakte pflegt und sich tatsächlich begegnet. Man muss hinfliegen, miteinander sprechen und auch bereit sein, Erfahrungen auszuhalten, die einen irritieren. Solche Begegnungen führen jedoch dazu, dass man die eigenen Maßstäbe überprüft und andere Lebenswirklichkeiten besser versteht. Als Tourist begegnet man Menschen vor Ort anders als in einer kirchlichen Partnerschaft.

Was war für Sie eine besonders schwierige Entscheidung?
Schwierig waren vor allem Personalentscheidungen. Wenn man jemanden kündigen muss, fragt man sich auch, welchen eigenen Anteil man an der Entwicklung hatte. Hat man Warnzeichen übersehen? Hat man Erwartungen falsch eingeschätzt? Solche Entscheidungen sind für mich immer auch Niederlagen gewesen. Und sie sind mir nie leichtgefallen.
Eine andere Schwierigkeit war die Frage, wie wir den Verwaltungsaufwand in der Kirche reduzieren können. In vielen Gemeinden habe ich erlebt, dass die Menschen eigentlich angetreten sind, um das Evangelium vor Ort weiterzugeben. Tatsächlich beschäftigen sie sich aber einen großen Teil ihrer Zeit mit Baufragen, Friedhöfen, Kindertagesstätten und anderen Verwaltungsaufgaben. Dann bleibt zu wenig Raum für die grundlegenden Fragen: Wie erreichen wir Menschen? Was beschäftigt sie? Und wie können wir als Kirche für diejenigen da sein, die uns bisher kaum wahrnehmen? Ich habe versucht, Veränderungen anzustoßen, bin dabei aber nicht immer auf Zustimmung gestoßen. Ein Beispiel war der Versuch der Gründung eines kreiskirchlichen Kitaträgers, wie es ihn anderswo bereits gibt. Er hätte die Gemeindekirchenräte von der Verwaltung der Kindertagesstätten entlastet und so Zeit geschaffen, sich mehr mit der religionspädagogischen Begleitung der Kita zu befassen. Ich frage mich bis heute, ob ich die Dinge nicht deutlich genug erklärt habe.

Sie haben Gemeinden in der Stadt und auf dem Land begleitet. Das ist ein außergewöhnliches Spektrum und unter anderem auch im Kirchenkreis Berlin Süd-Ost ein Spannungsfeld. Was unterscheidet beide Lebenswirklichkeiten?
Gemeinden auf dem Land sind oft kleiner, und die persönlichen Bindungen sind enger. Ich habe einmal eine Gemeinde mit 31 Mitgliedern erlebt, in der sonntags regelmäßig etwa zehn Menschen zum Gottesdienst kamen. Das war beeindruckend. In Berlin sind die Möglichkeiten allerdings andere. Es gibt mehr Mitarbeitende und mehr finanzielle Ressourcen. Wir konnten große Kreiskirchentage veranstalten und Künstler einladen, die andernorts vielleicht kaum finanzierbar wären. Die Spielräume für kirchliches Leben sind hier größer.
Gleichzeitig können wir von ländlichen Regionen lernen, genauer hinzusehen, zum Beispiel, welche Gebäude wir wirklich brauchen. Solange Geld vorhanden ist, wird nicht immer gefragt, ob ein Gebäude noch sinnvoll genutzt wird. Doch die finanziellen Bedingungen werden sich verändern. Wir müssen uns rechtzeitig damit beschäftigen, wie wir unsere Gebäude erhalten und wofür wir sie nutzen wollen.

Was hat sich in der evangelischen Kirche während Ihrer Amtszeit grundlegend verändert?
Ich beobachte, dass die Kirche immer stärker versucht, ihre Schwellen zu senken, um mehr Menschen zu erreichen. Das ist verständlich. Aber wir müssen auch fragen, was es bedeutet, zu einer Gemeinschaft zu gehören. Mitgliedschaft bringt nicht nur Rechte, sondern auch Pflichten mit sich. In jeder Gemeinschaft müssen Menschen Verantwortung übernehmen.
Eine weitere Veränderung ist die Schwierigkeit, mit politischen Gegensätzen umzugehen. Ich habe den Eindruck, dass wir die Fähigkeit verloren haben, zwischen Menschen mit unterschiedlichen Überzeugungen wirklich ins Gespräch zu kommen. Gerade bei schwierigen Themen wird häufig ausgewichen. Dabei haben wir in der Zeit des Mauerfalls erlebt, dass Menschen sehr unterschiedlicher Meinung sein konnten und sich trotzdem am nächsten Tag wieder begegnet sind.

Ich wünsche mir, dass wir Konflikte nicht unter den Teppich kehren. Man muss nicht einer Meinung sein. Aber man sollte offen miteinander sprechen können, ohne jedoch den anderen als Menschen abzuwerten.

Wie kann Kirche auch bei sinkenden Mitgliederzahlen und knapper werdenden Ressourcen lebendig bleiben?
Indem sie Gelegenheiten schafft, bei denen Menschen gebraucht werden und sich einbringen können. Auf einer Partnerschaftsreise nach Eswatini wollten wir beispielsweise ein zweistöckiges Gebäude streichen. Dafür brauchten wir Menschen mit unterschiedlichen Fähigkeiten. Einige der Mitreisenden wären ohne diese konkrete Aufgabe vermutlich nie mitgefahren. Solche Möglichkeiten müssen nicht groß sein. Eine Gemeinde kann eine Müllsammelaktion organisieren oder gemeinsam mit Konfirmandinnen und Konfirmanden die Geschichte jüdischen Lebens vor Ort erkunden. Entscheidend ist, dass Menschen etwas beitragen können. Daraus entstehen Begegnungen, Gespräche und manchmal auch Bindungen. Wie sich diese Beziehungen weiterentwickeln, liegt nicht vollständig in unserer Hand.

Was haben Sie über Führung und Verantwortung gelernt?
Ich habe festgestellt, dass die Erwartungen an eine Leitungsperson häufig größer sind als ihre tatsächlichen Möglichkeiten. Bei Konflikten beispielsweise – man kann nicht zaubern. Wenn Menschen nicht miteinander reden wollen, helfen auch mehrere Supervisionen nicht unbedingt weiter.
Ich persönlich unterscheide zwischen einer moderierenden und einer orientierenden Leitung. Bei der moderierenden Leitung hält man sich inhaltlich eher zurück und sorgt dafür, dass die Beteiligten miteinander arbeiten können. Ich selbst habe eher orientierend geleitet: Ich sage, was ich für richtig halte, und begründe meine Vorstellungen. Andere können widersprechen oder Alternativen vorschlagen.
Ich finde, wer leitet, sollte sich nicht hinter einer Mehrheit verstecken. Leitung bedeutet auch, Position zu beziehen. Natürlich kann man sich irren. Aber Klarheit hilft den Menschen, sich zu orientieren.

Was wird Ihnen aus der Arbeit im Kirchenkreis besonders in Erinnerung bleiben?
Ich habe die Zusammenarbeit mit vielen Mitarbeitenden als sehr positiv erlebt. Mir war wichtig, dass die Menschen eigenständig arbeiten können. Pfarrerinnen und Pfarrer, Gemeindepädagogen und Kantoren brauchen nicht ständig jemanden, der ihnen sagt, was sie zu tun haben. Sie wissen in der Regel selbst, wo sie gebraucht werden. Auch die Zusammenarbeit in den Kreiskirchenräten habe ich als vertrauensvoll erlebt. Es gab unterschiedliche Meinungen, aber ich hoffe, dass deutlich geworden ist, dass man sich einander trotzdem schätzen kann. Eine Meinungsverschiedenheit in einer Sachfrage sollte nicht darüber entscheiden, ob man miteinander auskommt.

Was wünschen Sie sich, dass von Ihrer Arbeit in den Gemeinden bleibt?
Eine offene Diskussionskultur und Ehrlichkeit. Manchmal ist Klartext besser als der ewige Versuch, es allen recht zu machen. Konflikte verschwinden nicht, wenn man sie nicht anspricht. Sie wirken dann im Hintergrund weiter.
Ich glaube, in unseren Gemeinden gibt es ein zu großes Harmoniebedürfnis. Manchmal schweigt man, weil man auf andere angewiesen ist und niemanden verärgern möchte. Doch eine Gemeinschaft lebt davon, dass unterschiedliche Auffassungen ausgesprochen werden dürfen. Ich würde mich freuen, wenn man sich auch nach meinem Abschied daran erinnert: Man muss nicht alles gut finden, was eine Leitungsperson tut. Aber man sollte davon ausgehen können, dass sie es gut gemeint hat.

Was möchten Sie Ihrer Nachfolgerin mit auf den Weg geben?
Ich wünsche ihr, dass sie die Möglichkeit hat, Dinge zu gestalten.

Gibt es etwas, das Sie rückblickend besonders beschäftigt oder überrascht hat?
Ich hätte nicht gedacht, dass ich im direkten Umfeld der Kirche mit einem Missbrauchsfall konfrontiert werden würde. Das hat mich erschüttert. Es verändert den Blick auf Menschen und auf die eigene Arbeit. Im Nachhinein fragt man sich, ob man etwas hätte bemerken können. Gleichzeitig muss man anerkennen, dass man nicht alles wissen kann. Ich habe viele Mitarbeitende besucht und versucht, ihnen auf Augenhöhe zu begegnen. Dass Menschen ihre Position jedoch ausnutzen und anderen Schaden zufügen können, war etwas, das ich mir zuvor kaum vorstellen konnte. Die Betroffenen tun mir unendlich leid.

Wie blicken Sie auf den bevorstehenden Ruhestand?
Ich kann mir noch nicht richtig vorstellen, wie das werden wird. Deshalb habe ich für die Einladungskarte zu meinem Abschiedsgottesdienst in der Lichtenberger Erlöserkirche ein besonderes Bild ausgewählt: einen Liegestuhl im Schnee. Es zeigt für mich einen Bruch und eine Ambivalenz. Einerseits freue ich mich darauf, tun zu können, was ich möchte. Andererseits frage ich mich, ob irgendwann niemand mehr anruft und ich nicht mehr gebraucht werde. Das allerdings passt eigentlich nicht zu mir. Ich bin jemand, der schnell analysiert, was getan werden müsste und der Dinge gern in Angriff nimmt. Ein Liegestuhlsitzer bin ich eher nicht.
Ich möchte mich künftig mehr um unsere Kinder kümmern. Meine Frau hat vieles übernommen, weil mein Beruf so viel Zeit beansprucht hat. Unsere Kinder leben an verschiedenen Orten. Ich möchte sie besuchen und mehr Zeit mit ihnen verbringen. Dass eine unserer Töchter Pfarrerin geworden ist und mit Geflüchteten in einer Erstaufnahmeeinrichtung arbeitet, freut mich besonders. Dort begegnet man Menschen, deren Unsicherheit und Lebenssituation uns vor Augen führen, wie viel Sicherheit wir selbst haben.

Sie engagieren sich außerdem in der Seemannshilfe. Was bedeutet Ihnen diese Arbeit?
Ich liebe das Meer und habe deshalb mehrfach Reisen auf Containerschiffen gemacht. Dabei habe ich erfahren, wie wichtig die Arbeit der Seemannsmission ist. Seeleute sind oft monatelang von ihren Familien getrennt. In den Häfen brauchen sie Orte, an denen sie sich aufhalten, das Internet nutzen und mit ihren Angehörigen Kontakt aufnehmen können, ohne etwas kaufen zu müssen. In Paldiski im Baltikum betreibt unser Verein eine solche Anlaufstelle. Ehrenamtliche holen Seeleute mit einem Kleinbus vom Hafen ab und bringen sie für einige Stunden in die Einrichtung. Das kostet Geld, etwa für Miete, Reparaturen und den Bus. Aber es ist eine sinnvolle Arbeit, für die ich mich gern engagiere.

Was nehmen Sie persönlich aus den Jahren als Superintendent mit?
Ich bin dankbar, dass ich diese Jahre hier arbeiten und gestalten durfte, auch wenn nicht alles gelungen ist und es Streit gegeben hat. Ich ärgere mich, dass ich mir nicht öfter Zeit genommen habe, mit Journalistinnen und Journalisten zu sprechen und öffentlich zu erklären, was uns beschäftigt, wir rennen zu oft durch den Tag. Ich bin dankbar für die Menschen, die mich ausgehalten haben und für die Möglichkeiten, die ich hatte. Jetzt beginnt ein neuer Abschnitt. Wie er aussehen wird, weiß ich noch nicht genau. Aber ich werde sicher nicht aufhören, über Kirche und ihre Aufgaben nachzudenken.

Vielen Dank für das Gespräch.

 

Epilog
Als freier Journalist und gelegentlich auch im Auftrag des Berliner Wichern-Verlages habe ich seit 2014 die Arbeit von Superintendent Hans-Jürgen Furian begleitet. In Erinnerung blieb besonders der Kreiskirchentag zum Reformationsfest 2017 im Familienfreizeitzentrum FEZ in der Berliner Wuhlheide. Die zeitgleich dort feiernden Halloween-Fans waren geschüttelt, gerührt und irgendwie auch perplex, wie lebendig, laut und selbstverständlich „die Kirchenleute“ durch die Säle des einstigen Pionierpalastes tanzten. Spät abends tanzten alle zusammen, die Ausgelassenheit steckte alle an. Als 2025 in der ehemaligen Stasi-Zentrale in Lichtenberg wieder ein ungewöhnlicher Kreiskirchentag gefeiert wurde, hatte sich das Furian-Prinzip offenbar verselbständigt. Raus auf die Straße, hinein in die Welt. Besonders, wenn schmerzende Erinnerungen an die unzähligen Büros und über 7.000 Stasi-Mitarbeitern, die einzig der Überwachung und Unterdrückung der Bevölkerung dienten, aufbrechen. Das Areal hält inzwischen als Campus für Demokratie zwar zahlreiche Lern- und Bildungsangebote bereit, dennoch erforderte es Mut, Haltung und planvolles Miteinander, dort auch den Kreiskirchentag vorzubereiten.
Sichtbar sein, öffentlich wahrgenommen werden, um Orte der Diktatur, des Fanatismus und der Unmenschlichkeit initiativ und vor allem neu zu überschreiben. Mit Verve selbstverständlich, darunter haben es der Superintendent und die Kreiskirchenräte nie getan. Dass politisch-theologische Diskussionen wie die Reihe der Lichtenberger Dialoge initiiert und fortgeführt wurden, war auch Verdienst des Superintendenten. Miteinander reden und diskutieren, im besten Falle andere Meinungen aushalten, klar bleiben – Furian hat das gelebt.
Kirche verändert sich, das hat sie immer getan. Jede Region wird dabei ein anderes Tempo gehen, eigene Ziele im Blick haben, auf unterschiedliche Ressourcen zurückgreifen können. Hans-Georg Furian wird das weiter beschäftigen, vielleicht wird er auch gelegentlich mit Rat und Tat zur Verfügung stehen. Für heute aber: Danke!

 

Berlin, 10.10.2026
Die Fragen stellte Uwe Baumann

 

Zurück